Facetten von Begabung, multidimensionales Denken und Team-Effizienz

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Viele Facetten hoher Begabung sind nach außen unauffällig und daher weithin unbekannt. Zumal sie in einer Person meist nicht in purer Form, sondern in verschiedenen Mischungen auftreten. Zudem möchte nicht jede begabte Person Führungskraft werden. Das führt zu der Herausforderung der Führung von Menschen, die, obwohl nicht auf den ersten Blick als besonders begabt erkennbar, schneller denken und mehr wissen als die Führungskraft. Zugleich entsteht die Notwendigkeit der Gestaltung neurodiverser Teams.

Soziale Begabung zum Beispiel wird kaum je besonders beachtet. Sozial Begabte halten sich oft im Hintergrund, damit beschäftigt, Konflikte zu erkennen, bevor sie entstehen und diesen entgegen zu wirken. Es sind die Personen, denen alle ihr Herz ausschütten. Sie kümmern sich oft um die Schwächsten im System, ohne dass die anderen es bemerken, und erweisen damit jeder Organisation einen wertvollen Dienst.

Auch Vielbegabung ist leicht zu übersehen. Vielbegabte, auch Scanner genannt, wenden ihre Aufmerksamkeit nicht nur einem, sondern mehreren verschiedenen Gebieten zu, in denen sie teilweise hochbegabt sind. Da sie ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf ein Gebiet richten, sind sie nicht unbedingt immer bei den Weltbesten zu finden. Jedoch können sie leichter an den Schnittpunkten und Grenzgebieten der Wissenschaften neues entdecken und entwickeln als andere, da sie interdisziplinäres Wissen haben.

Manche übertragbare Schlüsselbegabungen fallen ebenfalls häufig nicht auf, so zum Beispiel das In-Bildern-Denken. Bilderdenker sind meist an ihren künstlerischen, ästhetischen Fähigkeiten erkennbar. Sie verfügen über eine hohe Daten-Verarbeitungskapazität, die manchmal auch an einem fotografischen Gedächtnis zu erkennen ist. Diese Menschen sind in höchstem Maße fähig, kleine Details aus großen Datenmengen herauszufischen. Wenn sie zusätzlich auch über Vielbegabten-Neugier verfügen, können sie ganz erstaunliche Verbindungen zwischen Details aus verschiedenen Wissenschaften herstellen oder aus wissenschaftlichen Studien oder sonstigen Informationsclustern. Auf diese Art entsteht ein multidimensionales Denken, das vernetzt ist und in etwa nach Kriterien der Chaostheorie funktioniert. So wird es möglich, Voraussagen durch Verknüpfungen verschiedener Wahrscheinlichkeiten zu erstellen. Über Jahre trainiert, entsteht daraus eine erstaunlich treffsichere Voraussagewahrscheinlichkeit. Im Volksmund würde man sagen: Eine sehr gute Intuition. Sie speist sich aus den Daten des Unbewussten, das alles aufzeichnet, was wir in der Alltagswahrnehmung herausfiltern. Die einzelnen Herleitungen linear darzustellen würde wohl zig Stunden dauern und Bücher füllen. Diese wären bei Fertigstellung bereits schon  veraltet, weil sie von realen Situationen längst überholt wurden.

Solch ein Wissen „just in time“ 1:1 an Kollegen und Kolleginnen weiter zu geben ist allein aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Meist verstehen die anderen Mitarbeiter auch nicht mehr alles. Doch können wir Begabte darin trainieren, ihr Wissen situativ und vereinfacht auf den Punkt zu bringen sowie darin motivieren, dass es besser ist, einen Teil des Wissens weiter zu geben als gar nichts. Voraussetzung für eine gelingende Teamkommunikation ist der Einsatz der Vorgesetzten für die Integration aller Mitarbeiter gleichermaßen. Eine Aufklärung aller über das Thema Begabungs-Diversität kann dazu beitragen zu verstehen, dass alle Mitarbeiter, gleich welcher Begabung, gleichwertig wichtig für das Unternehmen sind.

Tanja Funk 04/2019